Weder in der 1225-jährigen Geschichte von Philippsburg noch in der 712-jährigen Geschichte von Wiesental hat es das jemals gegeben: Die
Wiesentaler besetzten die Ratsplätze der Philippsburger. Mit Duldung des "Schultes" Stefan Martus, der trotz allem die Nachbarn gastfreundlich in der ehemaligen mächtigsten Reichsfestung am Rhein empfing. Und dann geschah etwas, was wohl auch selten vorkommt: Aus dem Ratssaal erschallten fröhliche Lieder. Das ganze Rathaus horchte auf.
 Was war los? Sein gesangliches Können demonstrierte der "Sängerbund" Wiesental in Philippsburg - nicht in einer Kultur- oder Sporthalle, sondern im neuen Rathaus. Den stehenden, nicht sitzenden Auftritt im Sitzungssaal hatten die Gesangvereinler mit einer Radtour in die ehemalige Amtsstadt verbunden. Vom versierten Heimathistoriker und Buchautor Ekkehard Zimmermann ließ sich die Mannschaft in der Pfarrkirche St. Maria über die Geschichte der früheren Reichsfestung und des bereits 1710 erbauten Gotteshauses informieren. Pfarrer Thomas Maier erwies den Wiesentalern eine besondere Gunst und zeigte eines seiner kostbarsten Unikate: eine vergoldete Monstranz aus dem Jahr 1712. Bei dem Empfang im Rathaus stellte Martus die Stadt, die aktuelle Kommunalpolitik und die langfristigen Ziele vor.